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Dienstag 17.05.2011 - Rubrik: Wirtschaft
Eigentlich ist es traurig, dass Verbraucherschützer sich in der heutigen Zeit um die Rechte der Verbraucher im Finanzwesen bemühen müssen. Deutschlands Finanzbranche handelt immer häufiger getreu dem Motto: "erlaubt ist, was Gewinn bringt", selbstverständlich nur für den Finanzmarkt, nicht für den Bankkunden und Anleger. Denn deren Gewinn rückt immer weiter in den Hintergrund. Dubiose Geldanlagen, überzogene Dispozinsen und mehr als mangelhaft geführte Beratungen sind heute auch in Deutschland an der Tagesordnung. Die Zahl der Verbraucher, die sich von ihrer Bank schlecht beraten oder gar betrogen fühlen und dann als letzten Ausweg Hilfe bei den Verbraucherzentralen suchen, steigt immer weiter an. Und dabei müssen Verbraucher immer häufiger Entscheidungen mit finanziell weitreichenden Folgen treffen. Ob Versicherungen, Geldanlagen, Risikovorsorge und Altersvorsorge, Gesundheit oder berufliche Risiken, das Feld wird immer größer, die Produkte immer unübersichtlicher. Aufgrund dessen ist der Verbraucher immer stärker auf eine lückenlose und offene Beratung angewiesen. Doch das scheint immer weniger zu werden. Vertrauen und Gutgläubigkeit werden schamlos ausgenutzt, stattdessen werden fette Provisionen eingestrichen und der Kunde ist selbst schuld. Hat man ihm doch alles erklärt, wenn er es nicht versteht, zieht sich der Finanzberater schnell aus der Affäre. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) hat nun die Initiative "Finanzmarktwächter" gegründet und will gegen das Vorgehen der Banken und Finanzberater zugunsten der Bankkunden vorgehen.
"Finanzmarktwächter" als Hüter des Finanzwesens
Eigentlich wäre es die Aufgabe des Staates das Finanzwesen zu überwachen und zu kontrollieren. Hier
besteht aber scheinbar wenig Interesse, man beruft sich immer wieder auf die freie Marktwirtschaft.
Es stehe dem Verbraucher frei gewisse Produkte zu kaufen oder eben nicht. Seitens der Regierung liegt
es hier an jedem Verbraucher selbst die nötigen Informationen zu sammeln und sich das nötige Wissen
anzueignen. Die Initiative "Finanzmarktwächter"
will nun selbst in vier Schritten den Schutz und die
Aufklärung des Verbrauchers anstreben. Als ersten sollen die undurchsichtigen und oft viel zu hohen
Provisionen untersucht werden. Dazu kann sich der Verbraucher ein Formular unter Initiative
Finanzmarktwächter herunterladen, mit dem der Verbraucher dann bei seinem Bankberater oder Finanzberater
verlangen kann, der gesetzlichen Pflicht zur Offenlegung von Provisionen nachzukommen. Wird die Höhe
der Provision offengelegt, kann der Bankkunde schon erkennen wie groß das Interesse seines Beraters
an einem Verkauf oder einer Vermittlung ist. In den folgenden Schritten sollen außerdem die hohe der
Dispositionszinsen untersucht werden und deren Zulässigkeit. Außerdem werden in Zukunft die
Beratungsprotokolle auf deren Qualität geprüft. Die Initiative "Finanzmarktwächter" möchte außerdem
die Frage aufklären, warum so viele Verbraucher ihre Altersvorsorge frühzeitig auflösen.
Mithilfe der Verbraucher ist gefragt
Ohne das Engagement und die Mithilfe der Verbraucher kann das neue Projekt allerdings nicht gelingen.
Jeder interessierte Verbraucher sollte zu seinem eigenen Schutz und seiner persönlichen Aufklärung
unterstützen. Nur so kann es in Zukunft vielleicht gelingen etwas zu verändern. Wenn immer mehr Druck
ausgeübt wird, Bankberater und Finanzberater offener arbeiten müssen und auch die Regierung das
Engagement der Verbraucher nicht mehr wegleugnen kann, nur dann kann sich etwas in Richtung Verbesserung
verändern. Ein erster Schritt kann schon gegangen werden, in dem sich sehr viele Verbraucher den
Musterbrief der Initiative herunterladen und von ihrem Bank- oder Finanzberater ausfüllen lassen. Die
Banken sind verpflichtet die Provisionen offenzulegen und dürfen dem Bankkunden auch keinen Nachteil
entstehen lassen, weil dieser sein Recht einfordert. Geplant ist auch eine Klage, die dazu führen
soll, dass unrechtmäßig hohe Provisionen aus den letzten Jahren zurück gefordert werden können. Man
darf gespannt sein, welchen Erfolg die Initiative erreichen wird und ob sich in den nächsten Jahren
endlich wieder einmal etwas zugunsten des Kunden ändern wird.
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