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Griechenland-Rettung kostet Banken europaweit Milliarden


Montag 22.08.2011 - Rubrik: Wirtschaft



Letztlich konnte Kanzlerin Merkel ihren Willen durchsetzen und die privaten Gläubiger an der Griechenland-Rettung beteiligen. Es war ein langer und harter Kampf, als hart und schmerzlich bezeichnet auch Josef Ackermann die private Gläubigerbeteiligung. Die Ansichten zu diesem Schritt sind jedoch unterschiedlich. Während einige Stimmen verlauten lassen, dass die deutschen Banken noch glimpflich davon gekommen sind, belegen die Zahlen die Belastung doch recht deutlich. Doch nicht nur Banken in Deutschland sind betroffen, auch die Bank of Scotland musste einen harten Schlag hinnehmen. Ihre Griechenland-Abschreibungen zogen die Aktien erst einmal tief in den Keller. Die Postbank schreibt sogar vorübergehend rote Zahlen. Das dürfte vor allem Josef Ackermann nicht gefallen, der sich mit der Übernahme der Postbank ehrgeizige Ziele vorgenommen hat. Rund 8 Milliarden Euro aus Deutschland, so lautet die Mitteilung des Bundesfinanzministeriums, mit der sich deutsche Banken und Versicherer an der Griechenland-Rettung beteiligen.


Commerzbank versucht sich mit hohen Abschreibungen aus der Affäre zu ziehen

Commerzbank logo Die Finanzkrise hatte die Commerzbank schon schwer getroffen und ohne die Hilfe der Regierung hätte die Bank die Finanzkrise wohl nicht überstanden. Und nun trifft die Griechenland-Rettung die Commerzbank erneut an empfindlichen Stellen. Für Commerzbank-Chef Martin Blessing war das Jahr turbulent. Konnte er zu Beginn des Jahres noch Milliardengewinne vorweisen, dankten ihm dies die Anleger nicht und straften die Commerzbank-Aktie an der Börse gnadenlos ab. Im Frühling erhöhte die Commerzbank ihr Kapital und konnte damit einen großen Teil ihrer Staatshilfen wieder tilgen. Doch aus dies dankten die Anleger erneut nicht, die Aktie sackte erneut deutlich ab. Und nun vermiest die Griechenland-Rettung Blessing erneut die Zahlen. Die Commerzbank hält mit 2,9 Milliarden Euro das größte Portfolio griechischer Staatsanleihen aller deutschen Banken. Nun will die Commerzbank im zweiten Quartal rund 700 Millionen Euro abschreiben, dies wiederum reduziert den Gewinn der Bank auf ein Minimum. Die Commerzbank schreibt damit einen weit höheren Wert als eigentlich gefordert ab und wird umgehend abgestraft. Die Aktie sinkt erneut auf Talfahrt, die Anleger reagieren harsch. Ob der Plan der Commerzbank aufgeht wird sich zeigen, denn die Bank hat laut noch nicht bestätigten Berichten länger laufende Papiere in die Wertkorrektur einbezogen und deshalb in Teilen noch mehr abgeschrieben. Am Mittwoch sollen offizielle Zahlen veröffentlicht werden, dann wird sich zeigen inwieweit sich die Gerüchte bestätigen werden.


Postbank schreibt rote Zahlen

Postbank logo Auch bei der Postbank hinterlässt die Griechenland-Rettung Blessuren. Hatte Josef Ackermann eigentlich nur einen kleinen Gewinn für dieses Jahr erwartet, rutscht die Postbank erst einmal in rote Zahlen. Auch hier liegt die Hauptbelastung der Postbank bei den griechischen Staatsanleihen, die der Postbank die Quartalszahlen vermiest. Insgesamt schrieb das Bonner Privatkundeninstitut 186 Millionen Euro auf Bonds des hoch verschuldeten Mittelmeerlandes ab. Die Abschreibung verschlingt den Quartalsgewinn vollständig. Die Deutsche Bank geht dennoch davon aus, dass bis Ende des Jahres wieder schwarze Zahlen geschrieben werden können. Unter anderem auch, weil die Postbank rund 2.000 der bundesweit 20.000 Stellen abbauen wird.


Bank of Scotland mit düsteren Aussichten

Bank of Scotland logo Galt bislang die deutsche Commerzbank als größter privater Gläubiger Griechenlands, hat die Bank of Scotland nun ihre Zahlen veröffentlicht und das Ergebnis fiel düster aus. 843 Millionen Euro schrieb die Bank of Scotland im 2.Quartal ihres Geschäftsjahres an griechischen Staatsanleihen ab und übertrifft damit die Commerzbank. Die Aktie der Bank of Scotland rutschte erst einmal gnadenlos in den Keller. Die ohnehin schon angeschlagene Bank trifft die Abschreibung der Staatsanleihen hart. Erschwerend kommen die anhaltenden Kreditausfälle in Irland hinzu. Wie bei vielen anderen Banken auch muss die Bank of Scotland nun zahlreiche Arbeitsplätze abbauen, um den riesigen Verlust irgendwie in den Griff zu bekommen. Angesichts dieser Zahlen verlor die Aktie mehr als 20%, konnte sich dann aber im Laufe des Tages wieder erholen. Die Aussichten sind dunkel, Experten gehen von einer weiteren Kreditkrise aus.


Griechenland-Abschreibungen und viele offene Spekulationen

Während die genannten Banken die möglichen Höchstsummen abgeschrieben haben, zeigten sich andere Banken zurückhaltender. Welche Rechnung am Ende aufgehen wird, darüber kann zum jetzigen Zeitpunkt nur spekuliert werden. Banken und Versicherer müssen eigentlich nur 21 Prozent auf die griechische Anleihen hinnehmen, die bis 2020 auslaufen. Diesen Wert hat die Deutsche Bank exakt eingehalten. Auch andere europäische Banken hielten sich an den vorgegebenen Wert. Die Commerzbank und die Bank of Scotland hingegen schrieben weit mehr ab, andere Banken bis zu 50%. Welche Rechnung am Ende aufgeht und ob sich die hohen Abschreibungen tatsächlich gelohnt haben, das wird sich erst im Laufe der Zeit zeigen. Vieles hängt davon ab, wie der freiwillige Rückkauf, der Tausch und die Verlängerung griechischer Staatsanleihen konkret aussehen wird. Die riesigen Wertberichtigungen eröffnen die Chance auf hohe Zuschreibungen. Welche Rechnung aber am Ende aufgehen wird und welche spekulative Bilanzierung am Ende schwarze Zahlen aufweisen wird, das Ergebnis lässt noch eine ganze Weile auf sich warten. Sicher ist jedenfalls, dass weder die eine Seite, noch die andere Seite davon ausgehen kann richtig gerechnet zu haben.



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