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EZB hält dem Druck stand


Freitag 03.12.2010 - Rubrik: Wirtschaft



Die gestrige Entscheidung der EZB wurde mit Spannung erwartet und das Ergebnis fiel genauso aus, wie es von einigen Experten erwartet wurde. Die EZB (Europäische Zentralbank) hält an ihrem Kurs fest und dem Druck stand. In den Grundzügen bleibt die Krisenpolitik der EZB erhalten. Wie EZB-Präsident Trichet auf der Medienkonferenz am Donnerstag bekannt gab, gibt es keine Veränderung an der Höhe der Leitzinsen und die Banken können weiterhin unbegrenzt Geld leihen. Die Forderungen vor der Bekanntgabe waren stark zweigeteilt. Während die eine Seite der Experten vermutete, dass Trichet die uneingeschränkte Liquidität zurückfahren werde und ab dem nächsten Jahr nur noch eine festgelegte Summe an die Banken versteigern werde, vermutete die andere Seite, dass Trichet an seinem bisherigen Kurs festhalten würde. Mit dem Festhalten an dem bisherigen Kurs kommt die EZB den Forderungen nach einer groß angelegten Rettungsaktion der angeschlagenen Euro-Länder nicht nach.


Die Begründung der Entscheidung

Die EZB geht davon aus, dass sich die Wirtschaft in den nächsten Monaten weiterhin erholen wird und der befürchtete Inflationsdruck damit nicht eintreten wird. Damit sei eine Veränderung des Leitzinses nicht erforderlich. Mit Spannung wurde auch eine Äußerung zu den Käufen der Staatsanleihen erwartet, dies begründete Trichet aber nur in geringem Ausmaß. Die EZB will weiterhin Staatsanleihen der Länder aufkaufen, die in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind, aber das Ausmaß nicht erhöhen. Vielfach wurde die Forderung laut, dass die EZB den Kauf der Staatsanleihen vergrößern müsse. Trichet sieht aber die Verantwortung nicht in der EZB, sondern in den Staaten selbst. Je größer der Kauf der Staatsanleihen ausfällt, umso weniger sehen die betroffenen Staaten eine Notwendigkeit ihre Finanzen selbst wieder in Ordnung zu bringen. Aber genau hier sieht Trichet einen dringenden Handlungsbedarf, in Zukunft sollen die Staaten selbst mehr Verantwortung und Handeln übernehmen, um aus ihren Schuldenbergen wieder heraus zu kommen. Ob die EZB die Käufe der Staatsanleihen auf weitere Länder ausweitet blieb offen. Das Zauberwort hieß am gestrigen Donnerstag „Vollzuteiling“, engl. Full allotment. Mit der Vollzuteilung können Banken weiterhin unbegrenzt Geld leihen und dies zu einem äußerst günstigen Leitzins von 1%. Vor der Krise mussten Banken für das Notenbankgeld bieten. Die Vollzuteilung der EZB bleibt zunächst bis mindestens zum April des nächsten Jahres erhalten.


Folgen der Entscheidung der EZB

Experten erwarteten zunächst ein Börsenbeben nach der Entscheidung der EZB, dies blieb aber aus. Der Euro fiel zwar zunächst unter 1,31 Dollar, konnte sich aber schnell wieder erholen. Am Nachmittag kletterte der DAX in ungeahnte Höhen, deutsche Aktien steigen aktuell enorm im Wert. Anleger setzen vermehrt auf Aktienkäufe, da diese eine große Sicherheit bieten. Firmenanteile statt Staatspapiere, gesunde und große deutsche Unternehmen profitieren von den finanziellen Unsicherheiten in der Euro-Zone, ihre Aktien steigen im Wert. Auch ausländische Anleger setzen zunehmend auf deutsche Aktien. Der DAX schloss am Donnerstagabend mit 6958 Punkten und erreichte damit ein neues Jahreshoch. Die Anstrengungen der deutschen Firmen und Unternehmer aus der Krise wieder herauszukommen, zahlt sich aus.


Zinsen steigen dennoch

Hätte die EZB die Liquiditätshilfen auslaufen lassen, wie einige Analysten prognostiziert hatten, hätten Banken weniger Geld zum Verleihen zur Verfügung gehabt, die Geldmarktzinsen wären gestiegen. Die Liquiditätshilfen laufen weiter, der Verbraucher muss dennoch mit höheren Zinsen rechnen. Woran liegt das? Variable Eurokredite sind sehr oft an den Referenzzinssatz Euribor gebunden. Analysten erwarten, dass der Euribor bis zum März 2011 von derzeit 1,03% auf 1,10% steigen wird. An den Euribor gebundene Eurokredite werden dann also im Zinssatz teurer. Ein weiterer Aspekt der Zinserhöhung gegen Ende des Jahres 2011, es wird erwartet, dass die EZB bis zum Ende des nächsten Jahres den Leitzins wieder anheben wird. Mit einem Anstieg des Leitzinses verteuern sich auch die Kredite wieder, das bedeutet, der Verbraucher wird stärker belastet.


Investoren enttäuscht- Ökonomen zufrieden

Vor allem Investoren waren mit der gestrigen Entscheidung nicht zufrieden. Sie hatten gehofft die EZB würde den Kauf der Staatsanleihen ausweiten und so das Risiko der Finanzinvestoren minimieren. Die internationalen Finanzmärkte hatten sich eine ähnliche Entscheidung wie in den USA gewünscht. Dort hatte die US-Notenbank unglaublich viel Geld in den Markt gepumpt und so das Risiko der Investoren ein Stück weit minimiert. Die Erwartung der Finanzmärkte wollte Trichet aber nicht erfüllen, die große Mehrheit des EZB-Rates entschied, dass das Risiko wieder zurück an die Staaten gegeben werden müsse und nicht die EZB zu tragen habe. Im Gegensatz zu den Finanzinvestoren zeigten sich Ökonomen mit der Entscheidung deutlich zufrieden. Ein gesundes Wachstum und einen langfristigen Weg aus der Krise erreiche man nicht, in dem marode Staatsanleihen seitens der Bank aufgekauft werden. Die angeschlagenen Staaten müssen selbst die Verantwortung übernehmen und mit vernünftigen und langfristigen Programmen ihre Haushalte wieder in Ordnung bringen. Dies bedeutet natürlich für Investoren eine große Unsicherheit, denn wie sich die angeschlagenen Staaten entwickeln werden weiß noch niemand mit Sicherheit. Wer also hier investiert, in der Hoffnung auf Besserung, setzt auf ein großes Risiko. Investoren wollen aber kein Risiko, sondern Sicherheit und hohe Rendite. Für diese Sicherheit wollte die EZB aber nicht bezahlen. Letztlich hat die EZB Zeit gekauft, Zeit für die jeweiligen Staaten und Banken wieder Ordnung und eine gesunde Finanzpolitik zu schaffen, Verantwortung wollte sie aber nicht übernehmen.



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