Kostenloses Girokonto Übersicht Newsartikel Rubrik Wirtschaft Das Ende des Bankengeheimnisses
Freitag 08.10.2010 - Rubrik: Wirtschaft
Scheinbar vorbei sind die Zeiten, in welchen deutsche Steuersünder die Schweiz als Steuerparadies bezeichnen können. Noch in diesem Monat wird das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen der Schweiz und Deutschland unterzeichnet. Mit diesem Abkommen dürfen Schweizer Banken den deutschen Steuerermittlern aktiv bei der Steuerprüfung helfen - für den Kontoinhaber eines Schweizer Bankkontos heißt dies letztendlich, dass das Bankgeheimnis im gewohnten Format nicht mehr existiert und somit auch die Kundenidentität nicht mehr geheim bleibt. Schon im vergangenen Jahr wurde dieser Schweizer Beschluss festgelegt. Anlass für eine derartige "Revolution" war die Androhung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (kurz OECD), dass die Schweiz auf die "Schwarze Liste" der Steueroasen kommt, sofern die Möglichkeit der Steuerhinterziehung in diesem Umfang bestehen bleibt.
Steuerhinterzieher - eine Regierung mit Diskrepanz
Die OECD geht somit auf einen schon langen Verdacht und auf Ereignisse der Vergangenheit
und den damit bekannt gewordenen Zahlen ein. Zu Beginn des Jahres wurde der Regierung
eine Daten-CD zum Kauf angeboten, die dem Fiskus eine Höhe von 400 Millionen Euro
einbringen könnten. Wie? Einzig und allein Kundendaten befinden sich auf dieser CD -
deutsche Kunden, die ihr Kapital in der Schweiz angelegt haben, um Steuern, aus ihrer
Perspektive, sparen zu können. Für den Fiskus handelt es sich dabei um Steuerhinterziehung,
welche jetzt endlich aufgedeckt werden könnte und aktuelle finanzielle Defizite des
Bundeshaushaltes nachträglich stopfen könnte. Während die einen Quellen spekulierten,
woher diese Daten-CD stammen könnte, kritisierten andere die tatsächliche Überlegung der
Regierung "Diebesgut" zu kaufen.
Das Vermögen in der Schweiz
Laut inoffizieller Berichte stammen die Daten aus dem Finanzinstitut Credit Suisse,
wobei es sich in diesem Fall jedoch eher um ein generelles,grenzüberschreitendes Problem
handelt. Dass die Deutschen, die wichtigsten Kunden der Eidgenossen sind, wurde in den
vergangen Wochen mit faktischen Zahlen belegt. 195 Milliarden Euro (entspricht 260
Milliarden Franken) werden von Schweizer Finanzinstituten verwaltet. Insgesamt befinden
sich 2400 Milliarden Franken an ausländischem Vermögen bei den Schweizern, wozu aller
Wahrscheinlichkeit nach nicht nur deutsche Steuersünder gehören.
Klare Regeln für die Nichtigkeit des Bankgeheimnisses
Zunächst muss bei dem Doppelbesteuerungsabkommen exakt formuliert werden, welche
Voraussetzungen gegeben sein müssen, um dass Schweizer Banken Kundendaten weitergeben
dürfen. Auch in welchem Umfang diese Daten freigegeben werden, ist derzeit nur vermutbar;
bislang handelt es sich um den Namen und die Kontonummer, was deutschen Ermittlern
theoretisch schon ausreichen könnte, um potentielle Steuerhinterzieher ausfindig
zu machen.
Das Ende des Bankgeheimnisses ist ein deutlicher Nachteil für Kunden, mit Sicherheit
ein Garant für Kundenverluste der Schweizer Finanzinstitute, jedoch in jedem Fall
eine lukrative Amtshilfe für deutsche Finanzbehörden.
Die Hoffnung, die Identität der Kunden zu wahren
Bislang hat die Schweiz gehofft, um solch ein Abkommen herum zu kommen. Der Idealfall
für Schweizer Finanzinstitute wäre ein kombiniertes Abkommen gewesen, mit welchem
Quellensteuer und Amtshilfe festgelegt worden wären. Diese Quellensteuer bedeutet,
dass der Kontoinhaber aus dem Ausland an sein Herkunftsland einen pauschalen Betrag
überweist, der selbstverständlich auf die verwalteten Kapitalerträge erhoben wird. Die
Kundenidentität wäre somit bis zum äußersten "Notfall" gewährt worden und hätte nicht
eine solche Auswirkung wie das in diesem Monat unterzeichnete Doppelbesteuerungsabkommen.
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