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Sonntag 14.08.2011 - Rubrik: Girokonto
Der Bundesverband deutscher Banken meldet 90 Millionen Girokonten, Deutschland besitzt mehr Girokonten als Einwohner und darüber freuen sich Banken und Sparkassen sehr. Vor allem aber freuen sie sich über den fahrlässigen Umgang mit dem Girokonto, denn dieser verspricht ihnen jedes Jahr aufs Neue riesige Gewinne. Ohne Girokonto läuft nicht viel in Deutschland, Taschengeld-Konto oder Azubi-Gehalt, Hartz IV Leistungen oder Lohn, Rente oder Bafög, alles landet auf dem Girokonto. Der Wettbewerb um neue Kunden ist rasant, Banken und Sparkassen versuchen sich gegenseitig mit immer neuen Lockangeboten zu übertreffen und neue Kunden zu gewinnen. Der Wettbewerb lohnt sich, denn es geht um wahrlich große Summen.
Der Deutsche schläft, die Bank nicht
200 Milliarden Euro schlummern auf Girokonten, das hat der Düsseldorfer Fachjournalist und
Buchautor Udo Keßler in Zusammenarbeit mit der Frankfurter Finanzberatung Max Herbst auf der
Basis von Bundesbank-Daten errechnet. Das neueste Buch des Fachjournalisten heißt "Die Masche
mit den Sternchen" und zeigt auf, dass der Deutsche bei der Verwaltung seines Geldes schläft.
Banken und Sparkassen hingegen zeigen sich hellwach. Der lässige Umgang mit dem Geld verschafft
den Banken und Sparkassen riesige Gewinne, sowohl im Guthaben als auch im Sollbereich des
Girokontos. Die 200 Milliarden Euro liegen auf überwiegend nicht verzinsten Girokonten, denn
nur jede dritte Bank zahlt überhaupt einen Guthabenzins auf das Girokonto und dieser fällt
zudem mehr als mager aus. Im Durchschnitt sind es gerade einmal 0,5%, meist eher weniger. Zu
den schlummernden Milliarden verschenkt der Deutsche jährlich etwa 4,3 Milliarden Zinsen.
Schuld ist die nachlässige Kontoführung
Während der Deutsche in anderen finanziellen Angelegenheiten wie Baugeld, Anlagen oder
Versicherungen ein echter Rechenfuchs ist, vernachlässigt er das Girokonto sträflich. Jeder
sechste Bankkunde steckt am Ende des Monats in roten Zahlen. Und genau hier schlagen Banken
und Sparkassen erbarmungslos zu. Die Bundesbank beziffert die Überziehungen auf Lohn-,
Gehalts-, Renten- und Pensionskonten mit 13,7 Milliarden Euro. Die Zinssätze für diese
Überziehungen sind aber alles anderes als mickrig, bei einem durchschnittlichen Sollzinssatz
von 11,7% für das Girokonto, kassieren die Banken jedes Jahr 1,6 Milliarden Euro. Ein Geschäft,
das sich lohnt, aber nur für die Bank. Keine Habenzinsen, dafür aber abenteuerlich hohe
Sollzinsen, die Bequemlichkeit der deutschen Girokonteninhaber ist teuer. Konsequente
Kontoführung, so lautet das Zauberwort, um Geld zu sparen und Zinsen kassieren zu können.
Doch genau hier liegt einiges im Argen, denn konsequente Kontoführung kennen die meisten
Deutschen wohl nicht. Das Guthaben wird nicht auf einem Tagesgeldkonto oder Festgeldkonto
angelegt, stattdessen bleibt es auf einem schlecht oder gar nicht verzinsten Girokonto
liegen. Statt eines Ratenkredites, der zum einen zinsgünstiger ist und zum anderen jeden
Monat konsequent wieder getilgt wird, wird der teure Dispositionskredit Monat für Monat
in Anspruch genommen.
Girokonto Vergleich lohnt sich
Der Wettkampf um den Kunden zahlt sich für den Bankkunden eigentlich in barer Münze aus. Wer
vergleicht kann sparen und wer die Grundregeln der Kontoführung beherzigt, kann zudem Zinsen
kassieren. Zahlreiche Banken bieten mittlerweile ein kostenloses Girokonto inklusive kostenlosem
Tagesgeldkonto an. Attraktive Angebote bieten vor allem die Direktbanken, wo das Girokonto
ausschließlich online geführt wird. Hier spart man sich teure Kontoführungsgebühren und bringt
man sein Guthaben monatlich auf einem Tagesgeldkonto
unter, kann man am Ende des Jahres auch
noch schöne Zinszahlungen bekommen. Statt des Dispokredites einen günstigen Ratenkredit in
Anspruch nehmen und diesen konsequent zurückzahlen. Bei ausreichender Bonität kann der Bankkunde
hier mitunter mehr als die Hälfte der Sollzinsen sparen, verglichen mit einem Dispokredit. Wer
am Ende des Monats eine schwarze Null auf seinem Kontoauszug sehen kann, hat alles richtig
gemacht. Zahlt er darüber hinaus auch keine Kontoführungsgebühren und besitzt ein kostenloses
Girokonto inklusive Tagesgeldkonto, hat er gleich doppelt gepunktet.
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