Kostenloses Girokonto Übersicht Newsartikel Rubrik Banken Neuer Skandal um Haspa

Neuer Skandal um Haspa


Montag 29.11.2010 - Rubrik: Banken



Es ist gerade zwei Wochen her, dass die Haspa (Hamburger Sparkasse) mit negativen Schlagzeilen auf sich aufmerksam machte. Wir berichteten über die Anfertigung so genannter "Psycho-Profile", um Kunden "maßgeschneiderte" Produkte anbieten zu können. Und nun berichtet der Sender NDR erneut über einen Skandal der Haspa, dieses Mal sind Kinder als zukünftige Kunden ins Visier der Sparkasse geraten.


Geldkarte für Schulessen

Hintergrund: In der Hamburger "Schule am Walde" soll in Zukunft das Schulessen mit Geldkarten bezahlt werden können. An sich stellt dieser Umstand noch kein Problem dar, doch die Haspa nutzte dieses Vorhaben, um Eltern ganz gezielt dazu zu bewegen ein Girokonto der Haspa zu eröffnen, um dann mit der Haspa Geldkarte das Essen in der Schulkantine zu bezahlen. Das Ganze geschah in Zusammenarbeit mit der Schule. Gemeinsam mit der Schulleitung wurde ein Schreiben an die Eltern aufgesetzt, in dem die Eltern geradezu gedrängt wurden ein Haspa Girokonto für ihre Kinder zu eröffnen.


Gezielte Manipulation?

In dem Schreiben an die Eltern hieß es wörtlich: „Als Partner der „Schule am Walde“ unterstützen wir sehr gerne die Einführung des neuen Zahlungsmittels und stellen das komplette System zur Verfügung ... Bitte eröffnen Sie für Ihr Kind ein Schüler- Girokonto bei der Haspa.“ Zur Krönung des Ganzen wurde das Schreiben an die Eltern gemeinsam von der stellvertretenden Schulleitung und der Haspa unterschrieben. Formuliert wurde also eine direkte Aufforderung an die Eltern, ganz gezielt ein Haspa Girokonto zu eröffnen. Auf Nachfrage sagte die Haspa-Sprecherin Stefanie von Carlsburg der dpa, dass man selbstverständlich auch mit allen anderen Geldkarten bezahlen könne, die Haspa stelle lediglich das System zur Verfügung und biete den Eltern ein kostenloses Girokonto der Haspa an. Mittlerweile hat auch die Schulbehörde eingegriffen, der Brief an die Eltern muss neu formuliert werden.


Kritik der Verbraucherschützer

Die Schulleitung verteidigte das gemeinsame Vorgehen mit der Hamburger Sparkasse und verwies auf die lange Zusammenarbeit mit der Haspa. Die Hamburger Sparkasse sei immerhin schon lange Sponsor der Grundschule. Die Verbraucherzentrale Hamburg kritisiert stark, dass schon Kinder im Grundschulalter auf das Bezahlen mit Geldkarten fixiert werden. Außerdem werden sowohl Eltern als auch Kinder manipulativ auf ein bestimmtes Geldinstitut fixiert.


„Initiative Geldkarte“ nicht neu

Die Initiative Geldkarte ist keineswegs neu. In Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein haben schon rund 30 Schulen das Bezahlsystem mit der Geldkarte eingeführt. Bundesweit sind es rund 350 Schulen, an denen die Schulverpflegung nicht mehr bar, sondern mit Geldkarte bezahlt wird. Interessant ist an diesem Vorgehen, dass bundesweit Banken und Sparkassen das neue System nutzen, um ganz gezielt Werbung für sich zu betreiben. Überwiegend Sparkassen nutzen die "Initiative Geldkarte" an Schulen, um Kinder von ihren Angeboten zu überzeugen.


Aufregung um Nichts?

Alles hat zwei Seiten und das Bezahlen mit Geldkarte hat sicherlich auch Vorteile, sowohl für Eltern und Schüler, als auch für die Schule. Man muss sich aber sicherlich die Frage stellen, in wie weit man Kinder schon so früh an das Bezahlen mit Geldkarten gewöhnen sollte und wie stark Banken und Sparkassen dieses System nutzen dürfen, um Werbung für sich zu machen. Wäre das Schreiben neutral gewesen, mit dem Hinweis eine Geldkarte eines beliebigen Geldinstitutes zu nutzen, wären die Wellen nicht so hoch geschlagen. Das aber schon Kinder im Grundschulalter an ein ganz bestimmtes Geldinstitut gebunden werden sollen, gibt zu Denken. Zudem stellt sich die Frage, ob Kinder im Grundschulalter nicht viel mehr zuerst den Umgang mit Bargeld erlernen sollten, bevor sie sich mit Geldkarten und kostenlosen Girokonten auseinander setzen. Das kostenlose Girokonto für Kinder ist ab dem 14.Lebensjahr ganz sicher eine sinnvolle Ergänzung, um den Umgang mit Geld, Kontoführung und bargeldlosem Bezahlen zu erlernen. Aber Kinder zwischen dem 6. und 10.Lebensjahr gezielt zu manipulieren und für eigene Zwecke zu benutzen, das ist sicherlich eine moralische Frage. Und ob eine Sparkasse eine Schule in diesem Ausmaß „sponsert“, ist ebenfalls sehr fragwürdig. In der Zukunft müsste man sich dann auch die Frage stellen, ob nicht vielleicht T-Shirts und Sportschuhe beworben werden und namhafte Sportartikelhersteller Schulen nutzen, um für sich zu werben. Aufgabe der Schulen ist es ganz sicher Kinder neutrales Wissen zu vermitteln, unabhängig von Namen, Firmen und Unternehmen.



Vorherige Seite: Geldautomatengebühren - neue Regelung ab Januar Nächste Seite: Norisbank im Portrait