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Freitag 22.10.2010 - Rubrik: Banken
Kreditkartenbetrug hat neue Dimensionen angenommen, Betrüger und Kriminelle müssen Kreditkarten nicht mehr stehlen, der Betrug geschieht online. Der Knackpunkt sind unsichere Server von Onlineshops, Reisebüros oder Hotels. Die Daten wie Kreditkartennummer, Ablaufdatum und Prüfnummer werden dort ausspioniert und zu eigenen Zwecken verwendet. Plötzlich ist die Überraschung groß, der Kreditkartenbesitzer findet auf seiner Abrechnung Posten, die er gar nicht bezahlt hat, die Kreditkarte befindet sich jedoch in seinem eigenen Besitz. Kreditkartenbetrüger sind auf seine Kosten shoppen gegangen.
3-D Secure für mehr Sicherheit im Onlineshopping
Nachdem die Fälle des Onlinebetruges immer häufiger wurden, setzen Banken und
Kreditkartenunternehmen zum Gegenschlag an und wollen die Sicherheit deutlich
verschärfen. 3-D Secure heißt das neue Verfahren und soll den Verbraucher in Zukunft
vor solch unangenehmen und teuren Überraschungen schützen. Der Kreditkarteninhaber muss
sich dazu bei seiner Bank für das 3-D Secure Verfahren registrieren. Er selbst legt ein
spezielles Passwort fest, welches nur er und seine Bank kennen. Dieses Passwort wird
dann beim Onlineeinkauf auf einer speziellen Internetseite seiner Bank angefragt. Das
Verfahren soll garantieren, dass dieses zusätzliche Passwort nicht ausspioniert werden
kann. Da es nicht über den Server des Onlineshops, Hotels oder Reisebüros abgefragt wird,
sondern über den besonders sicheren Server der Bank, wird mit diesem Verfahren die
Sicherheit garantiert. Onlinebetrüger hätten keine Chance dieses Passwort herauszufinden.
Visa und Mastercard Vorreiter
Auch wenn der Eindruck entstehen mag, dass dieses Verfahren neu entwickelt wurde, es ist nicht
neu. Seit dem Jahr 2003 wenden Visa und Mastercard 3-D Secure bereits europaweit an. Deutsche
Banken hinken ein wenig hinterher, denn sie wenden 3-D Secure erst seit einigen Monaten an. Es
musste erst zu einem großen Datenverlust kommen, bis man auch hierzulande einsah, dass 3-D
Secure die Sicherheit deutlich erhöht. Im Sommer 2009 stahlen Internetbetrüger Daten deutscher
Verbraucher aus einer spanischen Datenbank. Damals mussten 100.000 Kreditkarten zurück gerufen
werden. Dies war nicht nur teuer, sondern schädigte auch das Image wesentlich, verließ man sich
als Kreditkartenzahler doch bis dahin auf seine sichere Bezahlmöglichkeit. Bis zum Ende dieses
Jahres sollen rund drei Viertel aller Visa-Kartenbesitzer die neue Technik nutzen.
Skepsis bei Onlinehändlern und Verbraucherschützern
3-D Secure wird aber noch lange nicht überall mit Begeisterung empfangen. Vor allem
Onlinehändler stehen dem höheren Aufwand und den damit verbundenen Kosten skeptisch
gegenüber. Die neue Technik müsse zunächst in den Internetshop eingebunden werden. Dies
kann nur über einen speziellen Dienstleister erfolgen. Die Kosten wollen die Onlinehändler
aber nicht allein tragen. Der Kunde selbst muss für das Verfahren keine zusätzlichen Gebühren
bezahlen, allerdings wird er am Ende mit einem verteuerten Endpreis seines gekauften Produktes
die Kosten doch tragen müssen, denn der Onlinehändler wird die ihm entstandenen Kosten auf
die Produktkosten umlegen.
Um möglichst viele Onlineshops von der 3-D Secure Technik zu überzeugen, haben
Kreditkartenanbieter eine neue Haftungsregelung eingeführt. In Zukunft soll im Falle eines
Kreditkartenbetruges nicht mehr der Händler haften, sondern das Kreditkartenunternehmen.
Die teuren Rückbuchungen gehen dann nicht mehr zu Lasten des Onlinehändlers und die
Strategie ging auf, in Deutschland bieten mittlerweile rund 20.000 Onlineshops die 3-D
Secure Technik an, europaweit sind es 300.000 Onlinehändler.
Verbraucherschützer üben Kritik
Verbraucherschützer sehen hingegen die neue Frage der Haftung sehr kritisch. Bis jetzt
konnte der Kunde problemlos eine Rückbuchung verlangen. Nun übernimmt der
Kreditkartenanbieter die Haftung. Damit muss der Kreditkartenbesitzer aber erst einmal
nachweisen, dass er sein Passwort nicht grob fahrlässig aufbewahrt. Auch die zusätzliche
Umleitung auf eine neue Seite birgt Gefahren, denn diese könnte gefälscht sein und die
Fälschung für den Verbraucher nicht erkennbar. Tatsache ist, auch die 3-D Secure Technik
bietet keine 100%ige Sicherheit. Für die Zukunft wird schon daran gearbeitet kein statisches
Passwort zu verwenden, sondern Passwörter einmalig generieren zu lassen. Die DKB und Visa
arbeiten bereits an einem Pilotprojekt. Damit soll die Kreditkarte in Zukunft vielleicht
zu einem eigenen kleinen Computer werden, ein Zahlendisplay enthalten und Passwörter
automatisch generieren kann. Welche Kosten auf den Verbraucher zukommen ist noch nicht
ganz sicher, sicher ist nur, dass Hightech Sicherheit ihren Preis haben wird, die letztlich
der Verbraucher bezahlen muss.
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