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Dispozinsen ziehen erneut an


Freitag 21.01.2011 - Rubrik: Banken



Wir haben schon des Öfteren über die teils überzogenen Dispozinsen der Banken berichtet. Erst im letzten Jahr verglich die Stiftung Warentest die Höhe der Dispozinsen verschiedener Banken und kam zu dem Schluss, dass die horrenden Dispozinsen ein reiner Gewinn für Banken und Sparkassen sei, aber keinesfalls gerechtfertigt. Auch Verbraucherschützer üben immer wieder starke Kritik und fordern die Bundesregierung zum Handeln auf. Diese sieht sich jedoch nicht in der Pflicht und schiebt die Bemessungsgrenze der Höhe der Dispozinsen auf die Marktautonomie. Es kommt aber noch besser, denn dieses Jahr sollen die Dispozinsen noch einmal erhöht werden und das nicht zu knapp.


Kein Einlenken der Banken

Zum Wochenbeginn erhöhte eine Bank ihren Dispozinssatz um 25 Basispunkte, eine weitere Bank um satte 3%. Auf ein Einlenken der Banken besteht keine Aussicht, unerbittlich treiben sie die Preisspirale in die Höhe und das bei einem Leitzinssatz von 1%. Tatsächlich bezahlen deutsche Bankkunden europaweit die höchsten Zinsen für ihren Dispositionskredit. Der durchschnittliche EU-Mittelwert liegt bei 8,67%, in Deutschland liegt der Durchschnitt bei 9,9%. Die unabhängige FMH Finanzberatung schätzt den Durchschnitt sogar noch höher ein, nach ihren Berechnungen liegt der durchschnittliche Dispositionszinssatz in Deutschland bei 11,29%.


Verbraucherschützer fordern eine gesetzliche Obergrenze

Entgegen den Ansichten der Bundesregierung fordern Verbraucherschützer schon lange eine gesetzliche Obergrenze für den Dispozinssatz. So wäre eine variable Berechnung aus Basiszins und dem gesetzlichen Verzugszins durchaus eine Lösung. Für den Bankkunden würde die Obergrenze dann bei 6% liegen. Die tatsächlichen Konditionen sind von diesen Angaben jedoch meilenweit entfernt. Und die Banken haben sich schon etwas Neues ausgedacht, den gestaffelten Zinssatz. Mit dem gestaffelten Zinssatz fällt der Zinssatz umso höher aus, je höher auch das Saldo ist. Beispielrechnung: Würde man für 500 Euro 5% Zinsen zahlen müssen, wären es bei 2.500 Euro schon deutlich mehr Zinsen. Wächst das Saldo auf dem Konto, wachsen auch automatisch die Zinssätze mit.


Aigner mit Ratschlägen, aber nicht mit Lösungen

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner hat gute Ratschläge, aber keine Lösungen. Sie rät den betroffenen Kunden zu einer Umschuldung mit einem günstigeren Ratenkredit. Ihr Handlungsspielraum ist jedoch begrenzt, bzw. überschlägt sie sich auch nicht mit ihren eigenen Vorhaben. Bis Jahresende 2010 sollte eigentlich eine Studie des Ministeriums zur aktuellen Marktlage fertig sein. Bis heute ist nicht einmal eine Ausschreibung der Studie erfolgt. Eigentlich sollte auch geprüft werden, ob eine Berechtigung vorliegen würde, um die Sachlage durch das Bundeskartellamt prüfen zu lassen. Auch das ist nicht passiert. Fakt ist, es ist gar nichts passiert. Nur die Banken- und Sparkassenkunden können sich zu Beginn des neuen Jahres erneut auf eine Anhebung des Dispozinses einstellen.


Enorme Unterschiede zwischen Ratenkredit und Dispokredit

Zwischen den Zinsen für einen Ratenkredit und den Zinsen für eine Dispokredit liegen Welten. Bekommt der Bankkunde einen Ratenkredit schon für durchschnittliche 5%, müssen Kunden für den Dispokredit meist Zinsen im zweistelligen Bereich bezahlen. Eine Volks- und Raiffeisenbank auf der Schwäbischen Alb verlangt gar 18%, das ist nur noch als Wucherzins zu bezeichnen. Banken und Sparkassen haben natürlich eine Begründung für die hohen Zinsen. Für einen Dispokredit müssen Gelder bereitgehalten werden, ohne dass man wisse, ob der Kunde diesen Kredit überhaupt in Anspruch nehmen wird. Das bereitgehaltene Geld muss aber seitens der Banken und Sparkassen ebenfalls verzinst werden. Angeblich stimmt das Argument des niedrigen Leitzinses nicht, denn Banken und Sparkassen leihen sich zu 90% Geld untereinander aus. Dies sei wesentlich teurer, da hier auch Risikoaufschläge bezahlt werden müssen. Nur zu einem geringen Prozentsatz werde das Geld über die EZB ausgeliehen. Daher könne man den niedrigen Zinssatz von 1% auch nicht an den Kunden weitergeben.


Euribor liegt bei 1,5%

Ein wenig fadenscheinig ist das Argument dennoch, denn auch für das untereinander geliehene Geld liegt der Zinssatz (Euribor) gerade einmal bei 1,5% für 12 Monate. Interessant ist ein Einwurf des Stuttgarter Bankenexperten der Verbraucherzentrale, Nils Nauhauser, er gab zu bedenken, dass der einheitlich hohe Dispozinssatz doch vielleicht etwas mit unlauterer Preisabsprache der Banken zu tun habe. Ein Grund mehr für die Überprüfung durch das Bundeskartellamt, aber diese will scheinbar auch niemand durchsetzen. „Ein Schelm, wer sich Böses dabei denkt.“



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